„Du hast es also nicht so mit dem Entscheiden.“, sprach Keno mit ruhiger Stimme.
„Du musst dich jetzt entscheiden.“
„Weil ich mir nicht auf die schnelle eine Menuauswahl merken kann?“
„Du musst dich jetzt entscheiden.“
„Das ist mir in der Vorlesung bei Hilland aufgefallen. Als wir uns ein Wort überlegen und auf das Spinnenseidenpapier schreiben mussten. Da hast du dich schwer getan ein Wort auszusuchen. Für ‚zutraulich‘ hast du dich entschieden.“
„Wenn du dich jetzt nicht entscheidest, dann werden wir ich ihn abreißen und das nur wegen dir.“
„Scheint ja zu stimmen, wenn ich hier mit dir sitze und meine Vorlesung verpasse.“
„Ich sage das jetzt noch einmal! Entweder ich reiße den Kopf von Benno ab oder…“
Thelka schüttelte ihren Kopf feste hin und her und ihre schwitzige Hand formte eine Faust.
„Du bist nicht zutraulich. Mir ist wahrhaftig noch kein misstrauischer Mensch untergekommen.“
Bei dem Wort Mensch musste Thelka kurz inne halten, denn sie war sich nicht sicher, ob er sie mit den Worten beleidigen wollte. Sie lehnte sich vor.
„Das Thema Entscheidungen muss für dich ja auch besonders spannend sein. Wieviel Raum für eigene Entscheidungen lässt dir denn dein Vater so?“
„Mein Vater ist manipulativ und machthungrig. Wenn es nach ihm gehen würde, dann würde ich in Ketten liegen, sein Gedankengut mit dem Löffel konsumieren und erst rauskommen, wenn ich seinen Platz einnehmen muss. Nur meine Mutter hat mich großgezogen.“
„…oder du versprichst mir….“
„Und trotzdem bist du so ein Idiot geworden?“
„Meine Mutter ist schon lange nicht mehr am Leben.“
„Mein Beileid.“
„…du versprichst mir, nie wieder jemanden mit diesen Zaubertricks zu verletzten.“
„Kann ich nur erwidern.“, stieß Keno mit seinem Glas an. Während er nachdenklich den Wein in seinem Glas drehte, sah er beinahe traurig auf die Flüssigkeit. Die drehende Bewegung des Weins änderte sich in Stillstand, als er das Glas stabile hielte, doch beinahe ruckartig schlug der Wein hin und her und nur grade so schwappte nichts davon über.
Keno sah zu Thelka hoch, die ihre Faust feste zusammengedrückt hatte, während sie versuchte, ihre Haltung zu bewahren.
„Wir wollen nichts mit diesem Zeug zu tun haben.“
„Ist schon ganz schön scheiße.“, sagte Thelka ruhig und löste die Faust wieder auf.
„Willst du darüber reden?“, fragte Keno.
„Über meine Mutter? Meine Mutter wurde getötet. Da kann man nicht viel zu erzählen.“
„Hätte dein Vater uns geliebt, dann hätte er uns vor all dem beschützt und uns nicht reingezogen.“
„Sie war ein Mensch. Das wissen wir, weil wir dich vor deiner Einladung überprüft haben. Und weil wir hier zusammensitzen ist die logische Schlussfolgerung, dass dein Vater es nicht war.“
„Du bist ja wirklich ein ganz Schlauer.“, lachte Thelka ihn an.
„Sie haben uns gefunden. Versuche ruhig zu bleiben und wenn die Luft rein ist, dann werde ich dich hier rausbringen.“
„Dein Vater hat dich genau so abgestoßen, wie du unsere Gesellschaft abstößt.“
„Hast du mich dafür eingeladen? Für ein peinliches Verhör über meine Vergangenheit? Fick dich Keno. Ich schaff es alleine zurück.“
„Hey. Thelka, oder? Ich bin der Feuerwehrmann, der dich aus dem brennenden Haus gezogen hat. Wir haben den Körper deiner Mama gefunden, es tut mir sehr leid. Gibt es jemanden, den ich anrufen kann?“