Es war ein ruhiger Tag, den Thelka mit Sebastian auf dem Kirchengelände verbrachte, an dem es nicht um Magie ging, um einen Deal oder um den Unholy Spirit. Und sie hatte gemerkt, wie sehr sie diesen Tag gebraucht hatte. Denn obwohl sie sich ihres Plans sicher war, sie fühlte sich mit jedem Tag immer einsamer und sie entzog sich jeder sozialen Interaktion, die auch nur minimal ihren Plan zum scheitern bringen könnte.
Sie waren gerade dabei, das Malerequipment aufzuräumen, nachdem sie den letzten Pinselstrich geschafft hatten, als es an der Tür klopfte, durch die sonst nur Leute hindurch traten, wenn es ihnen nach etwas Liebe und ein offenes Ohr war. Sebastian erkannte den Baseballschläger bereits am Geräusch, als er wieder gegen die Holzbänke schlug.
Die fünf Jungs trugen alle sehr dunkle Kleidung und neben dem Baseballschläger hatte einer der Jungen noch einen Hockeyschläger, einer trug einen Brecheisen, einer hatte ein Seil und der letzte hatte Nunchakus. Obwohl diese Kombination glasklar deuteten, dass die Jungs es auf mehr als Gewalt abgesehen haben, lachte Thelka unkontrolliert auf bei dem Anblick der Nunchakus.
Sebastian stellte sich schützend vor Thelka, als ihm bewusst wurde, dass er es nicht mit allen gleichzeitig aufnehmen konnte. Thelkas Amüsiertheit nahm ab, als sie den verängstigten, aber starren Blick von Sebastian sah.
Der erste Schlag mit dem Baseballschläger verfehlte Sebastian wieder, denn seine Instinkte ließen sich durch Angst nicht beeinflussen. Doch der zweite Schlag traf ihn an der Schulter und er stolperte zur Seite, sodass der Weg zu Thelka für den Jungen mit dem Brecheisen frei war.
Das Seil stellte sich neben dem Baseballschläger und während Sebastian immer und immer von dem Schläger getroffen wurde, wartete der Junge mit dem Seil, bis er es um Sebastian binden kann.
Das Brecheisen holte aus und abgelenkt von Sebastians Verteidigungsversuchen traf das Brecheisen Thelka mit voller Wucht gegen die Stirn. Eine klaffende Platzwunde öffnete Thelkas Haut über dem Auge, wodurch warmes Blut über ihr Gesicht floss. Der Junge mit den Nunchakus stellte sich zu dem Brecheisen und schlug mit ihm auf Thelka ein, um ihr den Weg zu Sebastian zu erschweren.
Sebastian schrie auf und versuchte zu Thelka durchzukommen, um einen weiteren Schlag zu verhindern, doch der Baseballschläger und nun auch der Hockeyschläger trafen ihn ununterbrochen an allen Stellen des Körpers.
Während Thelka und Sebastian versuchten, zum anderen zu gelangen um ihn zu helfen, musste Thelka dabei zusehen, wie Sebastian Blut ausspuckte und kraftlos auf den Boden viel, wo die Schläge nicht aufhörten, doch das Seil um ihn gebunden werden konnte.
Das Brecheisen traf Thelka vermehrt am Kopf, doch statt zusammenzubrechen platze nur die Haut auf.
Sebastian verlor schließlich das Bewusstsein und der Junge mit dem Basballschläger holte aus, um ihm auf den Kopf zu schlagen. Seine Haltung änderte sich, denn er versucht, alle Kraft zusammenzubekommen, um für einen mehr als kräftigen Schlag auszuholen. Er wollte ihn töten und das hatte er fast geschafft.
Der Baseballschläger hatte seinen Höhepunkt erreicht, als er dem Jungen aus der Hand gerissen wurde und er kurz das Gleichgewicht verlor. Verwundert drehte er sich zu dem Schläger hin, nur um ihn schwebend über seinen Kopf zu sehen.
Das Brecheisen befreite sich ebenfalls aus den Händen des anderen Jungen und flog zu dem Schläger.
Die Jungs sahen sich verwirrt an, als auch der Hockeyschläger und die Nunchakus dazukamen.
Der Anführer mit Baseballschläger sah Thelka an und fing an, sie zu beschimpfen.
„Sie ist eine von denen, von den Hexen auf dieser Verfluchten Schule.“
„Das sind doch nur Gerüchte!“
„Die Gerüchte sind wahr?“
„Verbrennen wir sie, los.“
Der Anführer stampfte wütend in ihre Richtung und hob ein Feuerzeug, das er direkt anzündete. Er kam ihr sehr nahe, nahe genug, damit sie ihn mit ihrer Hand packen und hinaufheben konnte. Wie ein leichtes Kuscheltier packte sie ihm an den Hals, hob ihn so hoch sie konnte und ließ ihn über den Boden strampeln.
Sie fing an zu lachen, ein beinahe sandiger Ton kam aus ihr heraus. Die Mundwinkel wanderten nach oben. Aber statt eines sichelförmigen Lächeln öffnete sich ihr Mund in der Form eines vierkantigen Sterns, der zwischen ihre Augen und bis runter an ihren Hals ihre Haut spaltete. Das entsetzte Gesicht des Jungen war mindestens genau so verzerrt wie ihres.
Ihre Zähne, die jetzt unter ihrer Stirn saßen, wurden spitz und der Speichel zog Fäden, die mit ihren Atemzug in alle Richtungen flatterten.
Als der Junge anfang über sein Kinn laufende Kotze zu verlieren, ließ sie ihn auf den Boden fallen. Er rannte als erstes los und hinterlies ein Gemisch aus allerlei Flüssigkeiten, die der Körper zum Schutz ausgeschieden hatte. Seine Anhänger ranten ihm hinterher und ließen ihre Waffen zurück.
Thelkas Gesicht nahm wieder normale Züge an, als jemand erschöpft ihren Namen aussprach.
Es dauerte nicht lange, bis der Rettungswagen, den Thelka gerufen hatte, ankamen um Sebastian abzuholen. Dieser hatte jedoch nur Augen auf Thelkas Stirn, wo noch Reste von dunklem Blut zu sehen war. Obwohl Thelka ihm versicherte, dass es nichts gibt, um sich Sorgen zu machen, bestand er darauf, dass sich jemand ihr Stirn ansehen sollte. Doch statt der klaffenden Wunde, von der Sebastian sich sicher war, sie gesehen zu haben, war nichtmal ein kleiner Kratzer. Sie lachte ihre Nervosität weg, als sie sagte, das er vielleicht nur eine Strähne ihrer verschmierten Haare gesehen hatte.
Thelka durfte Sebastian nicht im Krankenwagen begleiten, doch sie nahm ihr Fahrrad um ihnen hinterherzufahren, nachdem sie ein paar Dinge aufgeräumt hatte.